Ein Otrovert ist jemand, der enge Beziehungen und soziale Kontakte genießen kann, aber wenig Bedürfnis verspürt, einer Gruppe anzugehören, sich mit ihr zu identifizieren oder sich über sie zu definieren. Der Psychiater Rami Kaminski führte den Begriff ein, um das Verhältnis zur Gruppenzugehörigkeit zu beschreiben. Es geht dabei nicht darum, wie kontaktfreudig jemand ist.

Der Begriff ist neu und nichtklinisch. Er bezeichnet weder einen wissenschaftlich etablierten Persönlichkeitstyp noch eine Diagnose. Die hilfreiche Unterscheidung dahinter ist einfach: Gern mit Menschen zusammen zu sein und sich mit einer Gruppe zu identifizieren, ist nicht dasselbe.

Woher der Begriff Otrovert stammt

Der Psychiater Rami Kaminski prägte den Begriff Otrovert und entwickelte die Idee in seinem Buch The Gift of Not Belonging: How Outsiders Thrive in a World of Joiners. Darin beschreibt er Menschen, die Beziehungen zu Einzelpersonen aufbauen, sich aber vergleichsweise wenig mit kollektiven Identitäten verbunden fühlen.

Solche Identitäten können sich auf ein Unternehmen, einen Verein, eine Gemeinschaft, eine Bewegung, einen Berufsverband oder eine Fangemeinde beziehen. Jemand kann sich gern mit Freunden über eine Fernsehserie unterhalten, ohne sich als Teil ihrer Fangemeinde zu betrachten. Für eine andere Person kann diese Gemeinschaft hingegen ein wichtiger Teil der eigenen Identität sein.

Bei dieser Unterscheidung geht es um Identifikation, nicht nur um Teilnahme. Einem Verein beizutreten bedeutet nicht zwangsläufig, sich mit ihm verbunden zu fühlen. Ebenso bedeutet es nicht unbedingt, dass man die Mitglieder nicht mag, wenn man selbst nicht beitreten möchte.

Kaminskis Buch stellt das Konzept vor und erläutert, was er darunter versteht. Damit ist es jedoch noch nicht wissenschaftlich bestätigt. Auch sein beruflicher Hintergrund ist kein Beleg dafür, dass Otroversion eine eigenständige, messbare Persönlichkeitskategorie ist.

Gruppenzugehörigkeit ist nicht dasselbe wie soziale Energie

Das Kontinuum zwischen Introversion und Extraversion umfasst unter anderem Kontaktfreude, Aktivität, die Neigung zu sozialen Kontakten und das bevorzugte Maß an Anregung. „Soziale Energie“ ist dafür eine praktische alltagssprachliche Kurzform, erfasst aber nicht alle Aspekte des Merkmals.

Extraversion ist eine Dimension der Big Five, auch Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit genannt. Dieses Modell beschreibt Merkmale auf kontinuierlichen Skalen, statt Menschen in zwei klar getrennte Kategorien einzuteilen.

Beim vorgeschlagenen Konzept der Otroversion geht es um eine andere Frage:

  • Introversion und Extraversion: Wie viel soziale Interaktion und Anregung bevorzuge ich im Allgemeinen?
  • Gruppenidentifikation: Wie sehr wird die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Teil meiner Identität?

Stellen Sie sich zwei Kollegen vor. Der eine unterhält sich den ganzen Tag gern, lernt neue Menschen kennen und besucht lebhafte Veranstaltungen. Firmentraditionen und die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen bedeuten ihm jedoch wenig. Der andere bevorzugt ruhige Mittagspausen und braucht nach sozialen Kontakten Zeit für sich, fühlt sich aber einer kleinen Nachbarschaftsgemeinschaft eng verbunden.

Die erste Person ist in diesen Situationen kontaktfreudiger, doch die zweite identifiziert sich stärker mit einer Gruppe.

Diese Aspekte können zusammenhängen, ohne dass sie dasselbe beschreiben oder sich gegenseitig ausschließen. Jemand, der sich in der Beschreibung eines Otroverts wiedererkennt, kann eher introvertiert, eher extrovertiert oder irgendwo dazwischen sein. Für Otroversion gibt es derzeit allerdings keine ähnlich etablierte Messgrundlage wie für die Big Five. Der Vergleich verdeutlicht daher einen begrifflichen Unterschied und stellt kein anerkanntes neues Persönlichkeitsmodell dar.

Otrovert im Vergleich zu introvertiert, extrovertiert und ambivertiert

Diese Bezeichnungen beantworten nicht alle dieselbe Frage. Introvertiert, extrovertiert und ambivertiert beschreiben Positionen auf dem Kontinuum zwischen Introversion und Extraversion. Otrovert soll dagegen ein bestimmtes Verhältnis zur Gruppenidentität beschreiben.

Bezeichnung Worum es vor allem geht Mögliche Ausprägung im Alltag
Otrovert Geringe Identifikation mit Gruppen Genießt Freundschaften, ohne sich über eine Gruppe zu definieren
Introvertiert Geringere Extraversion Bevorzugt oft weniger intensive soziale Situationen
Extrovertiert Höhere Extraversion Sucht häufig soziale Kontakte
Ambivertiert Mittlere Extraversion Zeigt sowohl introvertierte als auch extrovertierte Präferenzen

Diese Beschreibungen sind vereinfacht. Keine davon erlaubt für sich genommen verlässliche Rückschlüsse auf soziale Kompetenz, Freundlichkeit, Selbstvertrauen oder die Qualität von Beziehungen.

Otrovert und introvertiert

Ein kontaktfreudiger Kollege kann sich gern mit anderen unterhalten und neue Menschen kennenlernen, zugleich aber Firmenrituale, Vereinszugehörigkeiten, politische Gruppenidentitäten und die Selbstbezeichnung als Fan meiden. Seine Kollegen, gesellschaftliche Themen und bestimmte Künstler können ihm wichtig sein, ohne dass er sich über solche Zugehörigkeiten definieren möchte.

Eine introvertierte Person kann dagegen ein Treffen ihrer Gemeinschaft früh verlassen, weil sie Ruhe braucht, und die Gemeinschaft dennoch als zentralen Teil ihres Lebens empfinden.

Früh zu gehen sagt wenig über Zugehörigkeit aus. Lange zu bleiben sagt wenig über Identifikation aus.

Otrovert und extrovertiert

Eine extrovertierte Person kann einen Branchenempfang genießen, weil sich dort neue Gespräche ergeben. Daraus folgt nicht zwangsläufig eine besondere Verbundenheit mit dem veranstaltenden Berufsverband.

Ein anderer, ebenso kontaktfreudiger Teilnehmer kann sowohl die Gespräche als auch das Gefühl schätzen, Teil dieser beruflichen Gemeinschaft zu sein. Beide wirken ähnlich gesellig, doch die Zugehörigkeit zum Verband hat für sie eine unterschiedliche Bedeutung.

Otrovert und ambivertiert

Ambivertiert beschreibt im Allgemeinen eine Person, die sich ungefähr in der Mitte des Kontinuums zwischen Introversion und Extraversion befindet. Der Begriff bedeutet nicht, dass jemand Gruppen distanziert gegenübersteht.

Jemand, der am Freitag ein lebhaftes Abendessen und am Samstag einen ruhigen Tag genießt, kann sich stark mit einem Sportverein identifizieren. Eine Person mit wenig Interesse an Gruppenidentitäten kann dieselbe Mischung aus Geselligkeit und Ruhe bevorzugen. Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Aspekte des Erlebens.

Wie Otroversion im Alltag aussehen kann

Besonders anschaulich sind Beispiele, bei denen Beziehungen zu Menschen wiederholt wichtiger sind als die Identifikation mit einer Gruppe.

  • Einzelne Freundschaften: Sie pflegen mehrere enge Freundschaften, erinnern sich an wichtige Ereignisse und nehmen sich Zeit für persönliche Gespräche. Einen größeren Freundeskreis betrachten Sie aber nur selten als Teil Ihrer Identität.
  • Zusammenarbeit am Arbeitsplatz: Sie teilen Informationen, halten Zusagen ein und helfen Kollegen bei Problemen. Die Slogans oder Traditionen des Unternehmens haben für Sie jedoch keine besondere persönliche Bedeutung.
  • Teilnahme wegen einer gemeinsamen Aktivität: Sie besuchen einen Töpferkurs, weil Sie gern töpfern, und unterhalten sich gern mit den anderen Teilnehmern, ohne eine besondere Bindung zur veranstaltenden Organisation aufzubauen.
  • Familientraditionen und Fangemeinden: Ihre Verwandten sind Ihnen wichtig und Sie genießen gemeinsame Familienessen, können mit Aussagen wie „So ist unsere Familie“ aber wenig anfangen. Ebenso können Sie die Spiele einer Mannschaft oder die Werke eines Künstlers lieben, ohne sich über die Zugehörigkeit zur Fangemeinde zu definieren.

Diese Beispiele zeigen, dass Otroversion nicht mit Abneigung gegenüber Menschen gleichzusetzen ist. Jemand kann erfüllende und verlässliche Freundschaften pflegen, ohne ein Team, eine Organisation oder eine Gemeinschaft als Teil der eigenen Identität zu erleben.

Wer einmal einer Firmenfeier fernbleibt, zeigt damit allerdings noch kein stabiles Muster. Ein dringender Abgabetermin, ein nicht barrierefreier Veranstaltungsort, eine unbekannte Gruppe oder schlicht die Vorliebe für eine andere Aktivität können dasselbe Verhalten erklären.

Mögliche Stärken und Herausforderungen einer geringen Gruppenidentifikation

Eine geringe Gruppenidentifikation kann in manchen Situationen hilfreich sein und in anderen Schwierigkeiten mit sich bringen. Sie macht jemanden nicht grundsätzlich unabhängiger, authentischer oder aufmerksamer.

Wer sich beispielsweise wenig über die eigene Abteilung definiert, kann möglicherweise leichter teamübergreifend zusammenarbeiten. Diese Person fragt vielleicht: „Welcher Ansatz löst das Problem?“, statt automatisch den Vorschlag der eigenen Abteilung zu bevorzugen. Eine geringe Bindung schützt jedoch nicht vor Vorurteilen und garantiert kein besseres Urteilsvermögen.

Weitere mögliche Vorteile sind:

  • Freundschaften über soziale Kreise hinweg zu pflegen, die sich sonst nur selten überschneiden.
  • Weniger dazu zu neigen, die Position einer Gruppe allein deshalb zu verteidigen, weil sie „unsere“ ist.
  • Eine unpassende Organisation verlassen zu können, ohne den Austritt als erheblichen Identitätsverlust zu erleben.

Dasselbe Muster kann auch Nachteile mit sich bringen:

  • Distanziert zu wirken: Wer gemeinsame Rituale ablehnt, kann damit den Eindruck von Zurückweisung vermitteln, selbst wenn die alltägliche Zusammenarbeit gut funktioniert.
  • Weniger auf ein bestehendes Unterstützungsnetz zurückgreifen zu können: Gruppen können praktische Hilfe, Kontakte und regelmäßigen Austausch bieten, ohne dass jede Beziehung einzeln gepflegt werden muss.
  • Sich fehl am Platz zu fühlen: Ein Umfeld, das eine gemeinsame Identität stark betont, kann für jemanden unangenehm sein, der vor allem Beziehungen zu einzelnen Menschen sucht.

Eine konkrete Erklärung kann manchmal Missverständnisse verhindern: „Ich arbeite gern mit allen zusammen, aber bei gemeinsamen Schlachtrufen und Teamspielen setze ich meistens aus. Bei der Organisation der Veranstaltung helfe ich gern.“

Das vermittelt Wertschätzung, ohne eine Verbundenheit vorzutäuschen, die nicht vorhanden ist. Zugleich lässt es Raum dafür, dass diese Rituale anderen Menschen tatsächlich etwas bedeuten.

Wann eine schwache Gruppenbindung andere Gründe haben kann

Sich einer Gruppe wenig verbunden zu fühlen, deutet nicht automatisch auf ein Persönlichkeitsmuster hin. Manchmal sagt dieses Gefühl mehr über das Umfeld aus als über die Person.

Auch diese Erklärungen kommen infrage:

  • Ein wenig einladender Arbeitsplatz: Ein Kollege, der wiederholt unterbrochen oder ausgeschlossen wird, zieht sich möglicherweise von Firmenaktivitäten zurück. Das ist etwas anderes, als sich wenig mit einer Gruppe zu identifizieren, in der man sich willkommen fühlt.
  • Migration und das Leben zwischen Kulturen: Jemand kann sich mehreren Gemeinschaften teilweise verbunden fühlen, ohne von einer davon vollständig anerkannt zu werden. Sprache, Erwartungen und die Reaktionen anderer können diese Erfahrung prägen.
  • Eine kürzlich erlebte Zurückweisung: Nach dem Ausschluss aus einem Freundeskreis ist jemand möglicherweise weniger bereit, sich einer anderen Gruppe anzuschließen. Das kann sich ändern, wenn in einem anderen Umfeld Vertrauen entsteht.
  • Ein Wertekonflikt: Eine Person kann sich von einer Gemeinschaft distanzieren, weil deren Handeln nicht mehr zu ihren Werten passt, und gleichzeitig einer anderen Gruppe eng verbunden bleiben.
  • Eine fehlende passende oder zugängliche Gemeinschaft: Arbeitszeiten, Kosten, Barrierefreiheit, Wohnort oder begrenzte Angebote können die Teilnahme erschweren. Wer nicht beitritt, hat deshalb nicht zwangsläufig kein Interesse an Zugehörigkeit.

Im beruflichen Umfeld kann der Arbeitswerte-Test dabei helfen, die eigenen Prioritäten zu reflektieren. So lässt sich der Frage nachgehen, ob die Distanz zu einer Organisation eher mit unterschiedlichen Werten, Erwartungen oder der Arbeitsplatzkultur zusammenhängt als mit einem allgemeinen Desinteresse an Zugehörigkeit.

Eine hilfreiche Unterscheidung lautet: „Ich möchte nicht unbedingt zu einer Gruppe gehören“ ist etwas anderes als „Ich möchte dazugehören, aber etwas erschwert es mir.“

Einsamkeit, Angst vor Beurteilung, Misstrauen und Ausgrenzung können von außen wie geringes Interesse wirken. Dahinter stehen jedoch unterschiedliche Erfahrungen. Wer mit seinen persönlichen Freundschaften zufrieden ist, muss möglicherweise nichts verändern. Wer unter ungewollter Isolation leidet, kann dagegen von Unterstützung und besseren Möglichkeiten für soziale Kontakte profitieren.

Die Bezeichnung Otrovert lässt keine Aussage darüber zu, ob Autismus, Depressionen, Traumata, eine Persönlichkeitsstörung oder eine andere klinisch relevante Problematik vorliegen. Anhaltende Belastungen oder Beeinträchtigungen im Alltag sollten unabhängig davon ernst genommen und nicht allein mit einer Persönlichkeitsbezeichnung erklärt werden.

Vier Fragen zur Selbstreflexion über Otroversion

Denken Sie an wiederkehrende Erfahrungen aus verschiedenen Lebensphasen, nicht nur an Ihre Reaktion auf eine einzelne enttäuschende Gruppe.

  1. Sind mir persönliche Beziehungen immer wieder wichtiger als die Zugehörigkeit zu einer Gruppe? Verabrede ich mich beispielsweise einzeln mit Freunden, verspüre aber wenig Wunsch, Teil eines bestehenden Freundeskreises zu werden?

  2. Widerstrebt es mir auch in einladenden Gruppen, mich mit ihren Bezeichnungen, Ritualen oder ihrer gemeinsamen Identität zu identifizieren? Unterscheiden Sie zwischen zwei Erfahrungen: Fühlen Sie sich wohl, haben aber wenig Interesse an einer Mitgliedschaft? Oder fühlen Sie sich nicht willkommen beziehungsweise befürchten Zurückweisung?

  3. Zeigt sich dieses Muster in unterschiedlichen Lebensbereichen? Denken Sie an Arbeit, Freundschaften, Familie, Hobbys und Gemeinschaften. Die Distanz zu einem einzelnen Arbeitsplatz ist etwas anderes als ein wiederkehrendes Muster in mehreren Umfeldern, in denen Sie Unterstützung erfahren.

  4. Kann ich trotz geringer Bindung an Gruppen enge und erfüllende Beziehungen aufbauen? Achten Sie darauf, ob Sie die Beziehungen haben, die Sie sich wünschen, statt Ihr Sozialleben mit dem anderer Menschen zu vergleichen.

Hier gibt es weder eine Punktzahl noch einen Schwellenwert. Wenn Sie sich in mehreren Fragen wiedererkennen, kann Otrovert ein hilfreicher Begriff sein, um Ihre Erfahrungen zu beschreiben. Einen psychologischen Typ bestätigt das jedoch nicht.

Konkrete Beobachtungen sind aussagekräftiger als eine Bezeichnung allein. „Ich mag meine Wandergruppe, aber die Mitgliedschaft ist kein zentraler Teil meiner Identität“ sagt mehr aus als „Ich bin kein Gruppenmensch“.

Was die Bezeichnung Otrovert nicht aussagen kann

Für Otroversion fehlt derzeit eine etablierte Messgrundlage, wie sie etwa für die Big Five besteht. Dass eine Beschreibung passend erscheint, ist für sich genommen kein Beleg für eine eigenständige Persönlichkeitskategorie.

Selbstbeschreibungen können sich außerdem durch die Stimmung, kürzlich erlebte Ausgrenzung, Kultur, Lebensphase, verfügbare Gemeinschaften, die aktuelle Selbstwahrnehmung und das Verständnis einer Frage verändern. „Ich fühle mich keiner Gruppe zugehörig“ kann bedeuten: „Ich bevorzuge persönliche Beziehungen“, „Ich habe meine Leute noch nicht gefunden“ oder „Meine derzeitige Gemeinschaft grenzt mich aus.“ Diese Aussagen sind nicht gleichbedeutend.

Wenn Ihre offene Frage eher die Kontaktfreude als die Zugehörigkeit betrifft, kann Testfys Persönlichkeitstest Ihnen helfen, Ihre Tendenz zu Introversion oder Extraversion auf einer kontinuierlichen Skala zu erkunden. Er misst oder bestätigt keine Otroversion. Sein Typencode fasst Präferenzen zusammen, die auf Ihren eigenen Angaben beruhen. Er ist kein Beleg dafür, dass Sie einer festen Kategorie angehören.

Für einen breiteren Blick auf verschiedene Persönlichkeitsmerkmale erfasst der Big-Five-Persönlichkeitstest Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Diese Merkmalswerte beruhen ebenfalls auf Ihren eigenen Angaben und gehören zu einem anderen Modell. Sie zeigen nicht, ob die Bezeichnung Otrovert auf Sie zutrifft.

Ein einzelnes Testergebnis kann eine Frage zur Gruppenidentifikation nicht klären, wenn der Fragebogen dieses Merkmal gar nicht misst. Ebenso wenig lassen sich aus der Bezeichnung Otrovert soziale Fähigkeiten, Beziehungsqualität, psychische Gesundheit oder zukünftiges Verhalten ableiten.

Eine extrovertierte Person könnte sich in der Idee der Otroversion wiedererkennen. Bei einer ambivertierten Person kann das ebenfalls zutreffen, muss aber nicht. Zudem kann sich das Verhältnis zu Gruppen verändern, wenn jemand eine einladende Gemeinschaft findet, eine unpassende verlässt oder in eine andere Lebensphase eintritt.

Der Nutzen des Begriffs liegt nicht darin, sich einer weiteren Kategorie zuzuordnen. Entscheidend ist: Wie sehr Sie soziale Kontakte genießen und wie stark Sie sich mit Gruppen identifizieren, sind zwei getrennte Fragen. Beides in Worte zu fassen kann Ihnen helfen, Ihre Präferenzen zu erklären, ohne daraus abzuleiten, welche Beziehungen Ihnen möglich sind und welche nicht.