Es gibt keine allgemein anerkannte Antwort darauf, wie viele Arten von Intelligenz es gibt. Die bekannte Liste mit acht Intelligenzen stammt aus Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen. Existenzielle Intelligenz wird manchmal als neunte aufgeführt, doch Gardner betrachtete sie eher als vorläufigen Vorschlag.
Andere Modelle gliedern Intelligenz anders. Psychometrische Modelle untersuchen allgemeine Intelligenz und breite kognitive Fähigkeiten. Sternberg unterscheidet analytische, kreative und praktische Intelligenz. Modelle der emotionalen Intelligenz wiederum befassen sich mit Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Emotionen. Diese Modelle beantworten unterschiedliche Fragen. Ihre Kategorien lassen sich deshalb nicht zu einer vermeintlich endgültigen Liste zusammenführen.
Vier wichtige Modelle beschreiben Intelligenz auf unterschiedliche Weise
„Intelligenz“ kann die Leistung bei kognitiven Aufgaben, ein breites Spektrum menschlicher Fähigkeiten, unterschiedliche Herangehensweisen an Probleme oder den Umgang mit Emotionen bezeichnen. Entscheidend ist deshalb zunächst, was eine Quelle unter Intelligenz versteht, nicht wie viele Kategorien sie nennt.
| Modell | Schwerpunkt | Typische Form der Erfassung | Aussagegrenzen |
|---|---|---|---|
| Gardners multiple Intelligenzen | Unterschiedliche Fähigkeiten, etwa im sprachlichen, räumlichen, musikalischen und zwischenmenschlichen Bereich | Beobachtungen und Profile verschiedener Aktivitäten | Kein Nachweis von acht unabhängigen kognitiven Fähigkeiten |
| Psychometrische Modelle allgemeiner und breiter kognitiver Fähigkeiten | Allgemeine Intelligenz und breite Fähigkeiten wie logisches Denken, Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit | Standardisierte Leistungsaufgaben | Keine vollständige Erfassung aller Talente und Formen von Fachkompetenz |
| Sternbergs Theorie | Analytische, kreative und praktische Aspekte des Problemlösens | Strukturierte Aufgaben und kontextbezogene Probleme | Keine Einteilung von Menschen in unveränderliche Kategorien |
| Emotionale Intelligenz | Fähigkeiten im Umgang mit Emotionen oder die eigene Einschätzung entsprechender Fertigkeiten | Leistungsaufgaben oder Fragebögen zur Selbsteinschätzung | Eine Selbsteinschätzung allein belegt keine tatsächliche Fähigkeit |
Die Modelle unterscheiden sich auch darin, wie gut sie wissenschaftlich belegt sind. Die von Gardner vorgeschlagenen Intelligenzen sind nicht als unabhängige kognitive Fähigkeiten bestätigt. Seine Theorie bietet eine breite konzeptionelle und pädagogische Perspektive. Psychometrische Modelle ordnen Fähigkeiten dagegen anhand gemessener Zusammenhänge zwischen Leistungen bei kognitiven Aufgaben.
Eine Lehrkraft könnte Gardners Modell beispielsweise nutzen, um die Stärken eines Schülers beim Geschichtenerzählen und bei Bewegungsabläufen zu besprechen. Ein Psychologe, der logisches Denken und Gedächtnis untersucht, würde Aufgaben einsetzen, die diese Fähigkeiten messen sollen. Das sind unterschiedliche Zwecke, keine austauschbaren Wege zum selben Ergebnis.
Bei der Interpretation eines Profils sollten Sie Bildung, Übung, Sprache, Kultur, Müdigkeit, Motivation und Vertrautheit mit der Aufgabe berücksichtigen. Keines dieser Modelle bildet das Potenzial eines Menschen vollständig ab oder sagt etwas über seinen Wert als Person aus.
Gardners acht Intelligenzen und die vorgeschlagene neunte
Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen stellt die Annahme infrage, dass herkömmliche schulische Leistungen alle bedeutsamen menschlichen Fähigkeiten erfassen. Ihre Kategorien liefern Begriffe, mit denen sich unterschiedliche Tätigkeiten und Fähigkeiten beschreiben lassen. Sie stehen jedoch nicht für acht wissenschaftlich bestätigte, unabhängige mentale Systeme.
Die acht üblicherweise genannten Intelligenzen
- Sprachliche Intelligenz: Gesprochene oder geschriebene Sprache wirkungsvoll einsetzen. Dazu gehört etwa, eine komplizierte Richtlinie verständlich zu erklären oder zu erkennen, wie ein einziges ausgetauschtes Wort die Bedeutung einer Aussage verändert.
- Logisch-mathematische Intelligenz: Muster erkennen und Zusammenhänge logisch untersuchen. Jemand könnte beispielsweise mögliche Ursachen eines Fehlers in der Budgetplanung vergleichen und systematisch ausschließen.
- Visuell-räumliche Intelligenz: Sich Formen, Orte und räumliche Beziehungen gedanklich vorstellen. Beispiele sind die Vorstellung, wie Möbel in einen Raum passen oder wie ein gefalteter Gegenstand nach dem Auseinanderfalten aussehen wird.
- Musikalische Intelligenz: Rhythmus, Tonhöhe, Melodie und musikalische Strukturen erkennen und damit arbeiten. Dazu kann gehören, eine rhythmische Abweichung zu bemerken oder eine musikalische Phrase zu entwickeln.
- Körperlich-kinästhetische Intelligenz: Bewegungen gezielt koordinieren, um eine Aufgabe zu erfüllen. Eine Tänzerin, die ihr Gleichgewicht korrigiert, und ein Handwerker, der eine präzise Handbewegung ausführt, veranschaulichen unterschiedliche Anwendungen.
- Interpersonale Intelligenz: Perspektiven, Absichten, Emotionen und soziale Signale anderer Menschen erkennen. In einem Gespräch könnte das bedeuten, zu bemerken, dass jemand nur deshalb scheinbar zustimmt, weil er sich nicht traut zu widersprechen.
- Intrapersonale Intelligenz: Eigene Motive, emotionale Muster und innere Reaktionen erkennen. Jemand könnte unterscheiden, ob er eine Beförderung wegen der Tätigkeit selbst oder wegen der erhofften Anerkennung anstrebt.
- Naturalistische Intelligenz: Muster in der natürlichen Umwelt erkennen und einordnen. Beispiele sind das Unterscheiden ähnlicher Pflanzen oder das Beobachten, wie sich das Verhalten eines Tieres im Laufe der Jahreszeiten verändert.
Existenzielle Intelligenz wurde als Ergänzung vorgeschlagen. Sie bezieht sich auf grundlegende Fragen zu Existenz, Sinn und menschlichem Leben. Ihr Status ist weniger gefestigt als der der acht üblicherweise genannten Kategorien.
Warum ein Alltagsbeispiel keinen Intelligenztyp beweist
Jemand kann sich anhand vertrauter Orientierungspunkte hervorragend in seiner Stadt zurechtfinden und dennoch Schwierigkeiten mit einer unbekannten Aufgabe haben, bei der Gegenstände gedanklich gedreht werden müssen. Eine andere Person löst räumliche Rätsel vielleicht schnell, verirrt sich aber, weil sie unterwegs wenig auf den Weg geachtet hat.
In beiden Situationen werden räumliche Informationen verarbeitet. Dabei wirken jedoch Wissen, Aufmerksamkeit, Übung und Fähigkeit unterschiedlich zusammen. Wer in einer bestimmten Situation geübt ist, muss deshalb nicht im gesamten übergeordneten Bereich gleich gute Leistungen zeigen.
Ebenso belegt Freude an Musik allein keine musikalische Fähigkeit. Eine Abneigung gegen Mathematik sagt wiederum nicht aus, dass jemand nur eingeschränkt logisch denken kann. Interessen können Hinweise geben, welchen Fähigkeiten man genauer nachgehen möchte. Sie legen aber keinen Intelligenztyp fest.
Interpersonale und intrapersonale Intelligenz werden häufig missverstanden
Diese beiden Kategorien von Gardner unterscheiden sich darin, auf wen sich das Verstehen richtet: auf andere Menschen oder auf die eigene Person. Keine der beiden lässt sich einfach mit Selbstvertrauen gleichsetzen.
Interpersonal bedeutet nicht extrovertiert
Ein ruhiger Kollege kann Spannungen in einer Besprechung bemerken, erkennen, dass eine schroffe Frage die Abwehrhaltung verstärken könnte, und seine Wortwahl entsprechend anpassen. Ein sehr gesprächiger Kollege kann dagegen wiederholt übersehen, dass andere sich unwohl fühlen. Emotionale Signale wahrzunehmen und die Perspektive einer anderen Person einzubeziehen, hängt auch mit Empathie zusammen. Der Empathietest kann Ihnen helfen, darüber nachzudenken, wie Sie die Erfahrungen anderer Menschen verstehen und darauf reagieren. Kontaktfreudigkeit bedeutet dabei nicht automatisch mehr Empathie.
Der Unterschied liegt zwischen dem Bedürfnis nach sozialem Austausch und dem Deuten sozialer Informationen. Wer gern Gespräche führt, schätzt andere nicht zwangsläufig zutreffend ein. Wer weniger Austausch bevorzugt, kann soziale Signale dennoch gut verstehen.
Auch der Kontext spielt eine Rolle. Jemand, der vertraute Freunde gut versteht, kann Kollegen aus einem anderen kulturellen Umfeld missverstehen. Selbst eine plausible Deutung sollte deshalb offen für Korrekturen bleiben: „Sie wirkten zögerlich. Gibt es Bedenken, über die wir noch nicht gesprochen haben?“
Intrapersonal bedeutet nicht, ständig selbstsicher zu sein
Jemand kann zutreffend erkennen: „Bei Kritik gehe ich in die Defensive, weil ich sie als Zurückweisung empfinde“, und dennoch an den eigenen Fähigkeiten zweifeln. Eine andere Person kann sehr selbstsicher auftreten, aber kaum erklären, weshalb sie auf Rückmeldungen wütend reagiert.
Selbsterkenntnis und Selbstwertgefühl sind unterschiedliche psychologische Konzepte. Selbsterkenntnis betrifft das Verständnis der eigenen inneren Muster. Selbstwertgefühl beschreibt, wie positiv jemand sich selbst bewertet.
Ein Muster zu erkennen, ist außerdem nicht dasselbe, wie es beeinflussen zu können. Zu wissen, warum Sie andere bei Meinungsverschiedenheiten unterbrechen, bedeutet nicht, dass Sie sofort damit aufhören können. Die Einsicht kann einen sinnvollen nächsten Schritt nahelegen, etwa vor einer Antwort kurz innezuhalten. Sie belegt jedoch nicht, dass Ihnen das bereits gelingt.
Psychometrische Modelle untersuchen allgemeine Intelligenz und breite kognitive Fähigkeiten
Psychometrische Ansätze untersuchen Muster in gemessenen kognitiven Leistungen. Statt zu fragen, zu welchem Intelligenztyp jemand gehört, betrachten sie, wie sich die Leistungen bei verschiedenen Aufgaben unterscheiden und wie sie miteinander zusammenhängen.
Allgemeine Intelligenz und der g-Faktor
Allgemeine Intelligenz, häufig als g-Faktor bezeichnet, beschreibt den gemeinsamen Anteil an den Leistungsunterschieden zwischen Menschen über verschiedene kognitive Aufgaben hinweg. Die Leistungen bei diesen Aufgaben hängen tendenziell positiv zusammen: Wer bei einer Aufgabe gut abschneidet, erzielt im Durchschnitt eher auch bei anderen gute Ergebnisse.
Das ist ein statistisches Muster. Es bedeutet nicht, dass jede Person in allen Bereichen gleich gut abschneidet. Einer Person kann sprachliches Schlussfolgern leichter fallen als das schnelle Arbeiten mit unbekannten visuellen Symbolen, obwohl beide Aufgaben zum Teil gemeinsame Fähigkeiten beanspruchen.
Der g-Faktor bezeichnet auch keinen einzelnen, einfachen biologischen Mechanismus, der Intelligenz vollständig erklärt.
Breite Fähigkeiten im Cattell-Horn-Carroll-Modell
Das Cattell-Horn-Carroll-Modell, meist als CHC abgekürzt, ist ein einflussreiches Modell breiter und enger gefasster kognitiver Fähigkeiten. Es wird häufig hierarchisch dargestellt, mit einer allgemeinen Fähigkeit oberhalb der breiten Fähigkeiten. Die zugrunde liegenden Theorien unterscheiden sich allerdings darin, welche Bedeutung sie einem einheitlichen allgemeinen Faktor zuschreiben.
Zu den häufig genannten breiten Fähigkeiten gehören:
- Fluide Intelligenz: Zusammenhänge erkennen und unbekannte Probleme lösen.
- Kristallisiertes Wissen: Den erworbenen Wortschatz, gelernte Konzepte und angesammelte Informationen nutzen.
- Arbeitsgedächtnis: Informationen im Gedächtnis behalten, während sie verwendet oder neu geordnet werden.
- Verarbeitungsgeschwindigkeit: Vergleichsweise einfache kognitive Vorgänge effizient ausführen.
- Visuelle Verarbeitung: Visuelle oder räumliche Informationen analysieren und gedanklich verändern.
- Auditive Verarbeitung: Muster in Klängen erkennen und analysieren.
Ein Beispiel ist der Vergleich zwischen einem neuen Mitarbeiter und einer erfahrenen Kollegin. Der neue Mitarbeiter erkennt möglicherweise schnell die Regel hinter einem unbekannten Rätsel. Die erfahrene Kollegin löst ein Problem am Arbeitsplatz vielleicht schneller, weil sie ein Muster aus langjähriger Erfahrung wiedererkennt. Schlussfolgern bei neuen Problemen und angesammeltes Wissen tragen auf unterschiedliche Weise zur Lösung bei.
Das erklärt auch, weshalb ein IQ-Wert oder ein kognitives Profil nicht jede nützliche Form von Fachkompetenz erfassen kann. Bildung, Sprache, Behinderungen, die Barrierefreiheit der Untersuchung und bisherige Lernmöglichkeiten können die beobachtete Leistung beeinflussen. Eine angemessene Interpretation berücksichtigt diese Umstände, statt den Wert losgelöst vom Kontext zu betrachten.
Sternbergs Theorie konzentriert sich auf analytische, kreative und praktische Intelligenz
Robert Sternbergs Theorie unterscheidet analytische, kreative und praktische Aspekte intelligenten Handelns. Sie beschreiben unterschiedliche Anforderungen beim Problemlösen, nicht drei unveränderliche Arten von Menschen.
Stellen Sie sich ein Team vor, das lange Wartezeiten für Kunden verkürzen möchte:
- Analytische Intelligenz umfasst das Vergleichen von Daten, das Erkennen von Engpässen und das Bewerten möglicher Erklärungen. Sie ist besonders relevant, wenn das Problem und die Bewertungskriterien einigermaßen klar definiert sind.
- Kreative Intelligenz umfasst die Entwicklung eines neuen Ansatzes, wenn vertraute Lösungen nicht ausreichen. Das Team könnte die Terminvergabe neu organisieren, statt lediglich zusätzliche Erinnerungen zu versenden.
- Praktische Intelligenz umfasst die Anpassung einer Idee an die tatsächlichen Rahmenbedingungen. Dazu gehören die Personalsituation, Kundenerwartungen, verfügbare Hilfsmittel und die Frage, ob Kollegen das neue System im Alltag nutzen können.
Wer klar definierte Rätsel hervorragend löst, weiß möglicherweise nicht auf Anhieb, wie sich konkurrierende Anforderungen am Arbeitsplatz miteinander vereinbaren lassen. Umgekehrt kann eine erfahrene Führungskraft ein unübersichtliches Personalproblem wirksam lösen, ohne bei abstrakten Rätseln ungewöhnlich schnell zu sein.
Das Modell macht auf solche Unterschiede aufmerksam. Es belegt nicht, dass jemand dauerhaft „praktisch statt analytisch“ ist. Seine Kategorien sollten auch nicht einfach Gardners Liste hinzugefügt werden, als beruhten beide Theorien auf denselben Definitionen. Erfahrung und Vertrautheit können beeinflussen, welche Anforderungen jemand leichter bewältigt.
Emotionale Intelligenz wird unterschiedlich definiert und gemessen
Emotionale Intelligenz bezeichnet Fähigkeiten oder Fertigkeiten im Umgang mit Emotionen, etwa sie wahrzunehmen, zu verstehen, zu regulieren, auszudrücken und zu nutzen. Unter Forschenden gibt es jedoch weder eine allgemein anerkannte Definition noch eine einheitliche Messmethode.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen nachgewiesener Leistung und selbsteingeschätzter Fähigkeit.
Tests kognitiver Fähigkeiten enthalten in der Regel Aufgaben, deren Antworten sich als mehr oder weniger richtig bewerten lassen. Einige Ansätze zur emotionalen Intelligenz verwenden ebenfalls Leistungsaufgaben. Welche Reaktion auf eine emotionale Situation am besten passt, kann allerdings stärker vom jeweiligen Kontext abhängen.
Andere Ansätze bitten Menschen um eine Selbsteinschätzung, etwa zu Aussagen wie „Ich bemerke, wenn jemand aufgewühlt ist“ oder „Ich kann meine Frustration klar ausdrücken“. Die Antworten beschreiben, wie die Befragten ihre Gewohnheiten und Fähigkeiten wahrnehmen. Sie weisen diese Fertigkeiten nicht unmittelbar nach.
Jemand kann beispielsweise angeben, andere hervorragend einschätzen zu können, die ruhige Konzentration eines Kollegen aber wiederholt als Verärgerung deuten. Eine andere Person unterschätzt möglicherweise ihre Kommunikationsfähigkeit, weil ihr ein kürzlicher Streit stärker in Erinnerung geblieben ist als viele konstruktive Gespräche.
Die Grenzen der eigenen Selbsterkenntnis sind dabei besonders wichtig: Einer Person kann genau die Fähigkeit fehlen, die sie bräuchte, um ihre Leistung zutreffend einzuschätzen.
Wenn Sie erkunden möchten, wie Sie Ihre eigenen Gewohnheiten im Umgang mit Emotionen wahrnehmen, bietet der Test zur emotionalen Intelligenz von Testfy ein Profil auf Grundlage Ihrer Selbstauskünfte. Es umfasst fünf Facetten: Emotionen wahrnehmen, regulieren, bei anderen erkennen, ausdrücken und nutzen. Der Test dient der Selbstreflexion. Er ist weder ein IQ-Test noch ein objektiver Nachweis einer Fähigkeit.
Ein sinnvoller nächster Schritt ist, eine allgemeine Selbsteinschätzung mit einem konkreten Ereignis abzugleichen. „Ich kann meine Frustration gut regulieren“ wird aussagekräftiger, wenn Sie beschreiben können, wie Sie bei einem verzögerten Projekt oder in einem schwierigen Gespräch gehandelt haben. Emotionale Intelligenz ist weder ein Ersatz für den IQ noch eine Garantie für Führungsqualität oder beruflichen Erfolg.
Was Intelligenzbezeichnungen und Testergebnisse nicht aussagen können
Betrachten Sie jedes Intelligenzprofil als eine Beschreibung, die an ein Modell, eine Aufgabe und einen Kontext gebunden ist, nicht als vollständiges Bild eines Menschen.
Dabei gilt es, mehrere verwandte Konzepte voneinander zu unterscheiden:
| Konzept | Was es beschreibt | Alltagsbeispiel |
|---|---|---|
| Begabung | Eine Fähigkeit, die für das Lernen oder die Leistung relevant ist | Unbekannte Klangunterschiede schnell erfassen |
| Fertigkeit | Durch Übung entwickelte Kompetenz | Audioaufnahmen sauber bearbeiten |
| Wissen | Erworbene Informationen und Kenntnisse | Sich mit Musiktheorie auskennen |
| Persönlichkeit | Charakteristische Tendenzen und Vorlieben | Ruhige, selbstständige Arbeit bevorzugen |
Talent ist ein weniger klar definierter Begriff für eine bemerkenswerte Fähigkeit oder Leistung. Kreativität bezeichnet die Entwicklung von Ideen, die in einem bestimmten Kontext neu und nützlich sind. Emotionale Reife zeigt sich in Mustern des Urteilens und Handelns. Diese Merkmale können mit kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen, sind aber nicht mit ihnen gleichzusetzen.
Ein geübter Musiker erkennt vertraute Akkordfolgen möglicherweise schnell, während ihm eine davon unabhängige Aufgabe zum logischen Denken schwerfällt. Keine der beiden Leistungen wird durch die andere entwertet. Der Unterschied zeigt vielmehr, weshalb man von einer einzelnen Fertigkeit nicht auf die Fähigkeiten eines Menschen insgesamt schließen sollte.
Multiple Intelligenzen sind keine Lernstile
Gardners Theorie wird häufig mit der Vorstellung verwechselt, dass jeder Mensch einen bevorzugten visuellen, auditiven oder kinästhetischen Lernkanal habe und der Unterricht darauf zugeschnitten werden sollte. Das sind jedoch unterschiedliche Behauptungen.
Die Forschungsübersicht von Pashler und Kollegen fand keine ausreichenden Belege dafür, dass es sinnvoll ist, Unterricht an solche angenommenen Lernstile anzupassen.
Abwechslungsreiche Aktivitäten können dennoch nützlich sein. Ein Diagramm kann geometrische Zusammenhänge verdeutlichen, mündliches Üben die Aussprache unterstützen und wiederholtes Ausführen beim Erlernen eines Bewegungsablaufs helfen. Die Methode sollte zum Lernstoff und zum Lernziel passen, nicht zu einem vermeintlich festen Lerntyp.
Ein Ergebnis ist keine Diagnose
Ein einzelner Testwert reicht nicht aus, um eine Lernbehinderung, eine Entwicklungsstörung oder eine psychische Erkrankung zu diagnostizieren. Eine fachliche Abklärung kann die Vorgeschichte, Beobachtungen, mehrere Untersuchungsverfahren und die Auswirkungen auf den Alltag einbeziehen.
Ein unerwartet niedriges Ergebnis nach schlechtem Schlaf wirft andere Fragen auf als anhaltende Schwierigkeiten in verschiedenen Situationen. Beides lässt sich nur im jeweiligen Kontext sinnvoll einordnen.
Wählen Sie das Modell, das zu Ihrer Frage passt
Entscheidend ist, welche Frage Sie beantworten möchten, nicht welcher vermeintlich vorherrschende Intelligenztyp Sie sind.
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Möchte ich meine Leistung bei Aufgaben zu logischem Denken, Gedächtnis oder Informationsverarbeitung verstehen? Hier passen psychometrische Modelle kognitiver Fähigkeiten und fachgerecht durchgeführte Untersuchungen. Das Ergebnis einer Gedächtnisaufgabe liefert andere Informationen als die Selbsteinschätzung, man habe „ein gutes Gedächtnis“.
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Möchte ich über verschiedene Lernaktivitäten und Fähigkeiten nachdenken? Gardners Modell kann Gesprächsimpulse liefern. Vergleichen Sie, was Ihnen beim Schreiben, Musizieren, bei Bewegung oder bei der Beschäftigung mit der Natur auffällt. Nehmen Sie dabei nicht an, dass diese Beobachtungen voneinander unabhängige Fähigkeiten belegen.
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Möchte ich verstehen, wie Menschen mit klar strukturierten Aufgaben, neuen Problemen und vertrauten Alltagssituationen umgehen? Sternbergs Unterscheidungen können dabei helfen. Vergleichen Sie das Bewerten einer bekannten Lösung, das Entwickeln eines neuen Ansatzes und die praktische Umsetzung unter realen Bedingungen.
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Möchte ich meine Gewohnheiten und Fertigkeiten im Umgang mit Emotionen betrachten? Nutzen Sie ein Modell emotionaler Intelligenz und unterscheiden Sie die Selbsteinschätzung von der nachgewiesenen Fähigkeit. Sich für einen guten Zuhörer zu halten, ist etwas anderes, als das Gegenüber während einer Meinungsverschiedenheit tatsächlich zutreffend zu verstehen.
Machen Sie die daraus entstehende Beschreibung an beobachtbarem Verhalten fest. „Ich bin praktisch intelligent“ lässt sich schwer beurteilen. „Ich bemerkte, dass der Plan Personal voraussetzte, das nicht verfügbar war, und schlug eine umsetzbare Alternative vor“ benennt einen konkreten Beitrag.
Achten Sie auf wiederkehrende Beispiele in unterschiedlichen Situationen, aber auch auf Gegenbeispiele. Ein Muster, das nur bei einem vertrauten Hobby auftritt, kann eher auf spezialisierte Erfahrung als auf eine allgemein übertragbare Fähigkeit hinweisen.
Fragen zur Anzahl und Bedeutung von Intelligenzarten
Warum nennen manche Quellen acht, neun, zwölf oder mehr Intelligenzen?
Unterschiedliche Zahlen gehen meist auf unterschiedliche Definitionen zurück. Acht bezieht sich häufig auf die übliche Liste innerhalb von Gardners Theorie. Neun schließt oft die existenzielle Intelligenz ein, seinen vorläufigen Vorschlag zu Fragen nach Sinn und Existenz.
Längere Listen können verschiedene Theorien vermischen, spekulative Ergänzungen enthalten oder „Intelligenz“ allgemein im Sinne einer Fertigkeit oder eines Talents verwenden. Ein Artikel mit zwölf Kategorien ist deshalb nicht zwangsläufig vollständiger als ein Modell mit acht Kategorien.
Achten Sie darauf, ob eine Quelle ihr Modell benennt und erklärt, wie dessen Kategorien definiert sind.
Kann sich Intelligenz verändern?
Wissen und geübte Fertigkeiten können sich weiterentwickeln. Gemessene Leistungen können je nach Bildung, Gesundheit, Kontext und verfügbaren Möglichkeiten variieren. Kognitive Fähigkeiten unterscheiden sich außerdem darin, wie sie sich entwickeln und wie stark Erfahrungen sie beeinflussen können.
Eine Verbesserung bei einer geübten Aufgabe belegt nicht automatisch eine allgemeine Steigerung der Intelligenz. Wer ein vertrautes Rätsel schneller löst, hat möglicherweise dessen Lösungsstrategie gelernt, ohne bei andersartigen Aufgaben ebenfalls besser geworden zu sein.
Besitzt jeder Mensch jede Art von Intelligenz?
Innerhalb von Gardners Modell beschreiben die Kategorien Fähigkeiten, die in unterschiedlichen Kombinationen zum Ausdruck kommen können. Sie sollten nicht als unabhängig bestätigte Größen verstanden werden, die jeder Mensch in festgelegten Mengen besitzt.
Auch die bisherigen Erfahrungen spielen eine Rolle. Wer nie ein Instrument gelernt hat, hatte weniger Gelegenheit, musikalische Fähigkeiten zu zeigen, als jemand mit jahrelangem Unterricht. Daraus lässt sich nicht abschließend auf das jeweilige Lernpotenzial schließen.
Sind multiple Intelligenzen wissenschaftlich bewiesen?
Gardners Theorie hat die Pädagogik beeinflusst und die Diskussion darüber erweitert, welche menschlichen Fähigkeiten als bedeutsam gelten. Die von ihm vorgeschlagenen Intelligenzen sind jedoch nicht als unabhängige kognitive Fähigkeiten in einer Weise empirisch bestätigt, die mit der Beleglage psychometrischer Modelle zusammenhängender Fähigkeiten vergleichbar wäre.
Die empirische Untersuchung von Visser, Ashton und Vernon fand beispielsweise deutliche gemeinsame Anteile allgemeiner Intelligenz bei Messverfahren, die mehrere von Gardners Bereichen erfassen sollten. Das stellt die weitreichende Annahme infrage, dass diese Kategorien unabhängig voneinander funktionieren.
Es bedeutet nicht, dass musikalische, körperliche oder zwischenmenschliche Leistungen unwichtig sind. Welchen Wert sie haben, ist eine andere Frage als die, ob sie eigenständige Intelligenzen darstellen.
Kann jemand in mehreren Bereichen stark sein?
Ja. Jemand kann verständliche Erklärungen schreiben, ein Instrument gekonnt spielen und technische Probleme logisch durchdenken. Diese Fähigkeiten können nebeneinander bestehen, ohne dass eine davon zum bestimmenden Intelligenztyp erklärt werden muss.
Die hilfreichere Frage ist konkreter: Was beruht auf Wissen, Übung, logischem Denken oder Vertrautheit, und was hilft auch dann noch, wenn sich die Situation verändert? So entsteht ein aussagekräftigeres Bild als durch die Festlegung auf einen einzigen Intelligenztyp.

