MBTI steht für Myers-Briggs Type Indicator. Das Verfahren beruht auf Selbstauskünften und kombiniert vier Präferenzpaare zu einem Persönlichkeitstyp mit vier Buchstaben, etwa INFP oder ESTJ. Die Buchstaben beschreiben, wie jemand bevorzugt seine Aufmerksamkeit ausrichtet, Informationen aufnimmt, Entscheidungen trifft und mit Struktur umgeht. Sie messen weder Intelligenz noch Fähigkeiten oder psychische Gesundheit und erfassen einen Menschen nicht in seiner Gesamtheit.
Das offizielle MBTI-Verfahren ist außerdem von unabhängigen Online-Quizzen zu unterscheiden, die ähnliche Buchstabencodes verwenden. Diese Unterscheidung hilft, ein Ergebnis richtig einzuordnen: Nicht jeder Persönlichkeitsfragebogen misst dasselbe.
Was MBTI bedeutet und wie der vierbuchstabige Code funktioniert
Isabel Briggs Myers und Katharine Cook Briggs entwickelten den Myers-Briggs Type Indicator teilweise auf Grundlage von Carl Jungs Vorstellungen über psychologische Typen. Das Modell beschreibt vier Präferenzpaare:
- E oder I: Extraversion oder Introversion
- S oder N: Sensing oder Intuition
- T oder F: Thinking oder Feeling
- J oder P: Judging oder Perceiving
Jede Stelle im Code steht für eine Präferenz. ENFP bedeutet beispielsweise Extraversion, Intuition, Feeling und Perceiving. Für Intuition wird N verwendet, weil I bereits für Introversion steht. Aus der Kombination der vier Paare ergeben sich 16 mögliche Codes.
Eine Präferenz bedeutet nicht, dass jemand ausschließlich eine bestimmte Herangehensweise nutzt. Wer Ideen lieber für sich durchdenkt, kann eine Gruppendiskussion dennoch hilfreich finden, wenn es um ein ungewohntes Problem geht. Wer einen festen Plan bevorzugt, kann ihn bereitwillig ändern, sobald neue Informationen vorliegen.
Das Modell beschreibt also, welche Herangehensweise jemand tendenziell bevorzugt. Es legt nicht fest, wie sich eine Person in jeder Situation verhält. Wer aus dem Code ableitet, „so muss diese Person handeln“, schreibt den vier Buchstaben mehr Aussagekraft zu, als sie besitzen.
Die vier MBTI-Präferenzpaare im Alltag
Anhand alltäglicher Entscheidungen lassen sich die Bezeichnungen besser verstehen als mit Adjektiven wie „kontaktfreudig“, „logisch“ oder „organisiert“.
| Präferenzpaar | Der eine Ansatz | Der andere Ansatz |
|---|---|---|
| Extraversion / Introversion | Die Aufmerksamkeit nach außen auf Menschen und Aktivitäten richten | Die Aufmerksamkeit nach innen auf Ideen und Erfahrungen richten |
| Sensing / Intuition | Von konkreten Fakten und Erfahrungen ausgehen | Von Mustern und Möglichkeiten ausgehen |
| Thinking / Feeling | Vorrangig nach sachlichen, einheitlichen Kriterien entscheiden | Werte und Auswirkungen auf Menschen in den Vordergrund stellen |
| Judging / Perceiving | Klare Entscheidungen und feste Pläne bevorzugen | Flexibilität und offene Optionen bevorzugen |
Extraversion und Introversion beschreiben, wohin sich die Aufmerksamkeit tendenziell richtet. Ein Kollege mit E-Präferenz kann eine Idee im Gespräch klarer fassen. Eine Kollegin mit I-Präferenz möchte möglicherweise erst darüber nachdenken, bevor sie die Idee bespricht. Wie anregend soziale Kontakte erlebt werden und wann jemand Ruhe braucht, kann Hinweise liefern. Beliebtheit, Selbstvertrauen und Schüchternheit bestimmen den Buchstaben jedoch nicht.
Sensing und Intuition betreffen die Art von Informationen, auf die sich jemand zunächst stützt. Beim Erlernen einer neuen Software wünscht sich eine Person vielleicht ein durchgearbeitetes Beispiel und genaue Anweisungen. Eine andere möchte zuerst die zugrunde liegende Logik und die Einsatzmöglichkeiten verstehen. Letztlich können für beide Personen beide Arten von Informationen wichtig sein.
Thinking und Feeling beschreiben, welche Kriterien bei Entscheidungen Vorrang haben. Bei einem Streit über die Terminplanung könnte jemand mit Thinking-Präferenz zunächst nach einer Regel suchen, die für alle gleichermaßen gilt. Eine Person mit Feeling-Präferenz könnte zuerst die individuellen Umstände und die berührten Werte berücksichtigen. Keiner der beiden Ansätze schließt logisches Denken oder Rücksicht auf andere aus.
Judging und Perceiving betreffen die Frage, ob jemand im Umgang mit seiner Umwelt eher auf klare Entscheidungen oder auf Flexibilität setzt. Eine Person fühlt sich möglicherweise wohler, sobald der Ablauf eines Wochenendes feststeht. Eine andere entscheidet lieber erst nach der Ankunft, was sie unternehmen möchte. Dieser Unterschied sagt nicht aus, wer mit einem Notfall besser umgehen würde.
Präferenz ist nicht gleich Fähigkeit
Die folgenden vier Klarstellungen helfen, verbreitete Stereotype nicht mit Aussagen über Fähigkeiten zu verwechseln.
| Präferenz | Was sie nicht bedeutet | Gegenbeispiel aus dem Alltag |
|---|---|---|
| Introversion | Geringe soziale Kompetenz | Eine introvertierte Person moderiert selbstbewusst eine Gruppenpräsentation |
| Sensing | Mangelnde Kreativität | Ein Designer mit Sensing-Präferenz entwickelt ein fantasievolles und zugleich praktisches Layout |
| Feeling | Mangelnde analytische Fähigkeiten | Eine Analystin mit Feeling-Präferenz prüft konkurrierende Erklärungen sorgfältig |
| Judging | Andere vorschnell zu beurteilen | Eine Führungskraft mit J-Präferenz plant ein Gespräch und ist offen für unterschiedliche Meinungen |
Ebenso hindert eine Perceiving-Präferenz niemanden daran, Fristen einzuhalten. Kalender, Übung, klare Erwartungen und die Bedeutung einer Aufgabe können unabhängig vom Buchstaben dazu beitragen, Aufgaben zuverlässig zu erledigen.
Ein kompakter Überblick über die 16 MBTI-Persönlichkeitstypen
Die folgenden Beschreibungen veranschaulichen mögliche Herangehensweisen, die mit den jeweiligen Präferenzkombinationen verbunden werden. Sie belegen weder bestimmte Fähigkeiten noch erlauben sie Vorhersagen über Karriere, Beziehungen oder Charakter.
Zwei Personen können beispielsweise beide eine detaillierte Tagesordnung für eine Besprechung vorbereiten. Der einen geht es um einen verlässlichen Ablauf, die andere möchte sicherstellen, dass alle mit ihren Anliegen zu Wort kommen. Das sichtbare Verhalten allein verrät keinen Typ.
- ISTJ: Introversion, Sensing, Thinking, Judging. Prüft möglicherweise zunächst Anforderungen und Details und legt vor dem Handeln eine praktikable Reihenfolge fest.
- ISFJ: Introversion, Sensing, Feeling, Judging. Greift möglicherweise auf frühere Erfahrungen zurück, um praktische Unterstützung an den konkreten Bedürfnissen einer Person auszurichten.
- INFJ: Introversion, Intuition, Feeling, Judging. Überlegt möglicherweise, wie sich eine Entscheidung langfristig auf Menschen auswirkt, und entscheidet sich anschließend für einen Weg, der den eigenen Werten entspricht.
- INTJ: Introversion, Intuition, Thinking, Judging. Entwirft möglicherweise zunächst für sich einen langfristigen Plan, prüft dessen Logik und legt die notwendigen Schritte fest.
- ISTP: Introversion, Sensing, Thinking, Perceiving. Untersucht möglicherweise ein konkretes Problem, probiert eine praktische Änderung aus und richtet das weitere Vorgehen am Ergebnis aus.
- ISFP: Introversion, Sensing, Feeling, Perceiving. Nimmt möglicherweise aktuelle Bedürfnisse wahr und reagiert flexibel auf eine Weise, die zu den eigenen Werten passt.
- INFP: Introversion, Intuition, Feeling, Perceiving. Geht möglicherweise für sich verschiedene Möglichkeiten durch und wägt ab, wie gut sie mit tief verankerten Werten übereinstimmen.
- INTP: Introversion, Intuition, Thinking, Perceiving. Prüft möglicherweise die Annahmen hinter einer Erklärung und hält Alternativen offen, während die Überlegungen weiter Gestalt annehmen.
- ESTP: Extraversion, Sensing, Thinking, Perceiving. Geht möglicherweise direkt auf eine Situation ein, bewertet die unmittelbar verfügbaren Fakten und passt das Vorgehen beim Handeln an.
- ESFP: Extraversion, Sensing, Feeling, Perceiving. Reagiert möglicherweise auf die momentanen Bedürfnisse anderer und passt gemeinsame Aktivitäten entsprechend an.
- ENFP: Extraversion, Intuition, Feeling, Perceiving. Erkundet möglicherweise im Gespräch verschiedene Möglichkeiten und verfolgt diejenigen, die zu persönlichen Werten passen.
- ENTP: Extraversion, Intuition, Thinking, Perceiving. Diskutiert möglicherweise konkurrierende Erklärungen, hinterfragt Annahmen und sucht nach einem anderen Lösungsweg.
- ESTJ: Extraversion, Sensing, Thinking, Judging. Klärt möglicherweise Anforderungen, verteilt Verantwortlichkeiten und erstellt einen Plan, der konkrete Rahmenbedingungen berücksichtigt.
- ESFJ: Extraversion, Sensing, Feeling, Judging. Koordiniert möglicherweise praktische Abläufe und berücksichtigt dabei die Bedürfnisse anderer sowie gemeinsame Erwartungen.
- ENFJ: Extraversion, Intuition, Feeling, Judging. Bespricht möglicherweise mit anderen eine gemeinsame Richtung und plant die nächsten Schritte anhand der Prioritäten der Gruppe.
- ENTJ: Extraversion, Intuition, Thinking, Judging. Leitet möglicherweise aus einer vorgeschlagenen Strategie konkrete Prioritäten, Verantwortlichkeiten und Fristen ab.
Kein Typ ist von Natur aus intelligenter, kreativer, empathischer, organisierter, beruflich geeigneter oder begehrenswerter als ein anderer. Die Kurzbeschreibungen dienen als Ausgangspunkt zum Vergleichen, nicht als Maßstab, dem jemand entsprechen muss.
Warum ein einzelnes Verhalten Ihren Typ nicht bestimmen kann
Eine beobachtbare Handlung kann eine Präferenz, eine erlernte Fähigkeit, eine situative Anforderung oder eine vorübergehende Reaktion widerspiegeln. Diese Erklärungen lassen sich leicht verwechseln.
Stellen Sie sich eine Person vor, die Arbeitsprojekte sorgfältig plant, weil mehrere Kollegen darauf angewiesen sind, dass sie ihre Fristen einhält. Im Urlaub bucht dieselbe Person vielleicht eine Unterkunft, lässt die einzelnen Tage aber offen. Ihr Arbeitsplan zeigt, wie sie mit Verantwortung umgeht. Er belegt nicht unbedingt eine allgemeine Vorliebe für festgelegte Abläufe.
Ebenso kann jemand im engen Freundeskreis lebhaft erzählen und nach einer großen Netzwerkveranstaltung dennoch Ruhe brauchen. Vertrautheit, Gruppengröße und die Anstrengung, fremde Menschen kennenzulernen, beeinflussen das Erleben. Wer in einer bestimmten Situation gesprächig ist, hat deshalb nicht automatisch eine E-Präferenz.
Eine Präferenz beschreibt, welche Herangehensweise jemand tendenziell bevorzugt. Eine Fähigkeit beschreibt, was eine Person gut bewältigen kann. Eine situative Anforderung beschreibt, was die Umstände verlangen. Eine einzelne Handlung verrät möglicherweise nur wenig darüber, welcher dieser Faktoren dahintersteht.
Vier Fragen zur Reflexion Ihrer Präferenzen
Denken Sie an mehrere Situationen aus der jüngeren Vergangenheit, statt sich an einem idealisierten Selbstbild zu orientieren.
- E–I: Wenn Sie sich nach einem anstrengenden Tag erholen möchten, wohin zieht es Ihre Aufmerksamkeit eher: nach außen zu Menschen oder Aktivitäten oder nach innen, um in Ruhe nachzudenken?
- S–N: Worauf stützen Sie sich bei einer ungewohnten Aufgabe zuerst: auf konkrete Beispiele und Erfahrungen oder auf Muster und mögliche Erklärungen?
- T–F: Was steht bei einer schwierigen Entscheidung im Vordergrund: sachliche Grundsätze, die für alle gleichermaßen gelten, oder Werte und die Auswirkungen auf die beteiligten Menschen?
- J–P: Wenn Pläne noch offen sind, treffen Sie lieber eine Entscheidung, um weitermachen zu können, oder halten Sie sich Optionen offen, bis weitere Informationen vorliegen?
Diese Fragen unterstützen die Selbstreflexion. Sie ersetzen keinen systematisch ausgewerteten Fragebogen. Wenn Ihre Antworten je nach Umfeld unterschiedlich ausfallen, halten Sie diese Unterschiede fest, statt eine eindeutige Antwort zu erzwingen.
Warum sich MBTI-Ergebnisse zwischen Tests ändern können
Ein anderes Typergebnis bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich Ihre Persönlichkeit grundlegend verändert hat. Wird eine Tendenz auf einen von zwei Buchstaben reduziert, kann eine kleine Abweichung in den Antworten wie ein großer Unterschied in der Persönlichkeit wirken.
Stellen Sie sich eine Person vor, deren Antworten nahe an der E–I-Grenze liegen. Bei einer Testdurchführung stimmt sie etwas mehr Aussagen zu, die eine Orientierung nach außen beschreiben. Beim nächsten Mal fallen einige Antworten eher zugunsten des Nachdenkens für sich allein aus. Das Ergebnis wechselt von E zu I, obwohl die alltäglichen Präferenzen sehr ähnlich geblieben sind.
Dazu können mehrere Faktoren beitragen:
- Mehrdeutige Aussagen: „Ich mag Gruppenaktivitäten“ kann ein Abendessen mit Freunden oder eine überfüllte berufliche Veranstaltung meinen.
- Antworten aus einer bestimmten Rolle heraus: Möglicherweise antworten Sie als Führungskraft, die Besprechungen leitet, statt Ihr Verhalten außerhalb der Arbeit zugrunde zu legen.
- Werte nahe der Grenze: Eine kleine Änderung in den Antworten kann dazu führen, dass das Ergebnis auf die andere Seite der Kategoriegrenze fällt.
- Aktuelle Erfahrungen: Eine Woche mit vielen sozialen Kontakten, ein Konflikt, Erschöpfung oder eine neue Rolle können beeinflussen, woran Sie beim Antworten denken.
- Unterschiedliche Fragebögen: Die Verfahren können sich in ihren Formulierungen, Annahmen und Auswertungsmethoden unterscheiden.
Auch Selbstwahrnehmung, Stimmung, die Auslegung der Fragen, soziale Erwartungen und Kultur prägen die Antworten. Wer im Beruf häufig das Wort ergreift, erfüllt damit beispielsweise möglicherweise eine berufliche Erwartung, obwohl sich eine ruhige Vorbereitung natürlicher anfühlt.
Achten Sie auf die zugrunde liegenden Werte, die Erläuterungen des jeweiligen Verfahrens und wiederkehrende Beispiele aus Ihrem Alltag. Gehen Sie nicht davon aus, dass Prozentwerte bei unterschiedlichen Verfahren dasselbe bedeuten. Ein offizieller Wert zur Präferenzklarheit und ein Prozentsatz aus einem merkmalsorientierten Online-Test können unterschiedliche Konzepte abbilden.
Präferenzen und Verhaltensweisen können sich mit der Zeit entwickeln. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer allmählichen Veränderung, die sich in wiederholten Erfahrungen zeigt, und einem Buchstabenwechsel aufgrund üblicher Messschwankungen. Einen Test so oft zu wiederholen, bis sich ein Typenetikett richtig anfühlt, ist weniger aufschlussreich als zu prüfen, in welchen Situationen die Beschreibungen tatsächlich passen.
Offizieller MBTI, MBTI-inspirierte Quizze und dimensionale Merkmalsmessungen
Ähnlich aussehende Ergebnisse können aus unterschiedlichen Verfahren stammen. Die folgenden drei Kategorien befassen sich mit verwandten Fragen, sind aber nicht austauschbar.
Offizieller MBTI
Der offizielle MBTI ist ein bestimmtes, markenrechtlich geschütztes Verfahren, das auf vier Präferenzpaaren und deren 16 Kombinationen beruht. Eine Website, die die bekannten Buchstaben verwendet, bietet deshalb nicht zwangsläufig dieses Instrument an.
Wer das offizielle Verfahren sucht, kann MBTIonline besuchen. Dort erläutert der offizielle Anbieter den Ablauf und ermöglicht den Zugang zum Verfahren.
Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn ein Arbeitgeber oder eine Fachperson ausdrücklich ein offizielles MBTI-Ergebnis verlangt. Ein vierbuchstabiges Ergebnis von einer anderen Website ist nicht automatisch ein gleichwertiger Ersatz.
MBTI-inspirierte Online-Typenquizze
Unabhängige Verfahren können ähnliche Buchstaben verwenden, sich aber bei den Fragen, der Auswertung, zusätzlichen Dimensionen oder theoretischen Annahmen unterscheiden. 16Personalities ist trotz des vertrauten vierbuchstabigen Formats nicht das offizielle MBTI-Verfahren.
Der Persönlichkeitstest von Testfy basiert ebenfalls auf einem eigenständigen Modell. Er ordnet die Teilnehmenden auf fünf kontinuierlichen Achsen ein: Mind, Energy, Nature, Tactics und Identity. Die ersten vier werden in einem Typencode zusammengefasst; die Typenbezeichnungen stammen von Testfy. Das Verfahren ist weder der offizielle MBTI noch das in der Persönlichkeitsforschung verwendete Big-Five-Modell.
Wer sich mithilfe von Typenbeschreibungen mit den eigenen Präferenzen beschäftigen möchte, kann darin einen Ansatz zur Selbstreflexion finden. Liegen Werte jedoch nahe an der Mitte, sind die Positionen auf den Skalen aussagekräftiger als die Buchstaben allein. Der Code ist eine Zusammenfassung, kein Beleg dafür, dass sich Menschen in 16 klar voneinander getrennte Gruppen einteilen lassen.
Dimensionale Merkmalsmessungen
Dimensionale Verfahren beschreiben die Ausprägung von Merkmalen auf kontinuierlichen Skalen, statt jede Person einem Typ zuzuordnen. Die Big Five umfassen fünf breite Persönlichkeitsmerkmale. Ihre englischen Bezeichnungen werden häufig mit dem Akronym OCEAN zusammengefasst:
- Offenheit: Interesse an neuen Ideen, Erfahrungen und Perspektiven.
- Gewissenhaftigkeit: Tendenzen zu Organisation, Ausdauer und zuverlässiger Umsetzung.
- Extraversion: Tendenzen zu Geselligkeit, Durchsetzungsfähigkeit und aktivem, energischem Auftreten.
- Verträglichkeit: Tendenzen zu Kooperation, Mitgefühl und zwischenmenschlichem Entgegenkommen.
- Neurotizismus: Die Neigung, mit negativen Gefühlen auf Belastungen zu reagieren; keine Diagnose.
Als Modell zur Beschreibung breiter Persönlichkeitsmerkmale auf kontinuierlichen Skalen sind die Big Five empirisch stärker gestützt als die Annahme, dass Menschen 16 klar getrennte MBTI-Typen bilden. In einem direkten psychometrischen Vergleich von MBTI und Fünf-Faktoren-Modell stellten McCrae und Costa fest, dass die MBTI-Indizes Aspekte breiterer Merkmale erfassten. Tatsächlich zweigeteilte Präferenzen oder qualitativ unterschiedliche Typen ließen sich damit jedoch nicht belegen.
Die Belege für das Modell bestätigen nicht automatisch die Qualität jedes Fragebogens, der dessen Namen verwendet. Die einzelnen Instrumente unterscheiden sich weiterhin darin, wie gut sie die Merkmale messen.
Der Big-Five-Persönlichkeitstest erstellt auf Grundlage Ihrer Selbstauskünfte ein OCEAN-Profil, ohne Sie einem von 16 Typen zuzuordnen. Eine Person mit gemischten sozialen Präferenzen kann sich daher mit einem mittleren Extraversionswert auseinandersetzen, statt sich auf die Wahl zwischen E und I zu konzentrieren.
Ein MBTI-Typ lässt sich nicht exakt in ein Big-Five-Profil umrechnen. Inhaltliche Überschneidungen machen die Modelle nicht austauschbar.
Wofür MBTI nützlich sein kann
MBTI kann einprägsame Begriffe bieten, um über Kommunikationspräferenzen, Informationsbedürfnisse, Entscheidungskriterien und den Umgang mit Struktur zu sprechen. Besonders nützlich wird das Modell, wenn aus einer Typenbezeichnung ein konkreteres Gespräch entsteht.
Angenommen, zwei Kollegen prüfen ein neues Dienstleistungsangebot. Eine Person fragt nach Kosten, Kundenbeispielen und Anforderungen an die Umsetzung. Die andere beginnt mit künftigen Möglichkeiten und der Frage, wie das Angebot das Unternehmen verändern könnte.
Statt die eine Person als fantasielos und die andere als unpraktisch zu bezeichnen, können sie sich auf eine Reihenfolge einigen: Zuerst erkunden sie Möglichkeiten, anschließend bewerten sie die vielversprechendsten Optionen anhand konkreter Rahmenbedingungen. Beide Herangehensweisen liefern nützliche Informationen.
Dieselbe Person, die vor einer Investition von Unternehmensgeldern genaue Angaben verlangt, kann beim Brainstorming mit Freunden gern frei Ideen sammeln. Präferenzen ändern nichts daran, dass auch die Tragweite einer Entscheidung, Fachwissen und Umfeld das Verhalten beeinflussen.
Verstehen Sie Typenbeschreibungen als Fragen: Passt das zu mir? Wann passt es? Was verändert sich in einem anderen Umfeld? „Ich kann mehr beitragen, wenn ich die Tagesordnung im Voraus erhalte“ ist im Alltag hilfreicher als „Ich bin introvertiert“. Auf die konkrete Bitte können Kollegen eingehen, ohne dafür ein Persönlichkeitsetikett übernehmen zu müssen.
Was MBTI nicht aussagen kann
MBTI kann weder Intelligenz, Empathie, Kreativität, Moral, Führungspotenzial oder psychische Gesundheit bestimmen noch den Wert eines Menschen beurteilen. Auch derselbe Typ belegt nicht, dass zwei Menschen in einer Beziehung gut zusammenpassen.
Eine Einschränkung ist der Verlust von Nuancen. Zwei Menschen auf unterschiedlichen Seiten einer Kategoriegrenze können ähnlichere Präferenzen haben als zwei Menschen mit demselben Buchstaben. Schwankende Ergebnisse und eine begrenzte Vorhersagekraft machen einen Typencode zudem zu einer unzureichenden Grundlage für weitreichende Entscheidungen.
Bei der Personalauswahl belegt eine Thinking-Präferenz beispielsweise keine analytischen Fähigkeiten. Eine passende Arbeitsprobe kann darüber mehr aussagen. In Beziehungen können unterschiedliche J–P-Präferenzen ein Gespräch über die gemeinsame Planung anregen. Sie bestimmen jedoch nicht, ob Partner fair verhandeln oder Zusagen einhalten können.
Verwenden Sie den Typ nicht als alleinige Grundlage für Einstellungen, Beförderungen, die Berufswahl oder die Beurteilung, ob Menschen zusammenpassen. Interessen, nachgewiesene Fähigkeiten, Lebensumstände, Verhalten und verfügbare Möglichkeiten liefern Informationen, die ein Typencode nicht ersetzen kann.
Weder MBTI noch ein Online-Persönlichkeitsquiz können ADHS, Autismus, Angststörungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder andere klinische Erkrankungen diagnostizieren. Eine klinische Beurteilung gehört in die Hände einer qualifizierten Fachperson und lässt sich nicht aus Persönlichkeitsbuchstaben ableiten.
Möglicherweise begegnen Ihnen auch die Begriffe kognitive Funktionen und Typendynamiken, etwa „introvertierte Intuition“ oder „Funktionsstapel“. Dabei handelt es sich um Deutungsansätze innerhalb der Myers-Briggs-Theorie. Ein vierbuchstabiges Ergebnis liefert keinen direkten Beleg für die inneren Denkprozesse einer Person. Wer ein Projektrisiko voraussieht, könnte sich auf Erfahrung, sorgfältige Analyse oder verschiedene andere Denkprozesse stützen. Welcher davon ausschlaggebend ist, lässt sich nicht an einem Typenetikett ablesen.
Sollten Sie MBTI, ein Typenquiz oder die Big Five verwenden?
Wählen Sie das Verfahren danach aus, welche Frage Sie beantworten möchten.
- Nutzen Sie ein Typenmodell, wenn Sie einprägsame Begriffe für Ihre Präferenzen suchen. Es kann helfen, Fragen zu besprechen wie: „Denke ich lieber erst allein nach, bevor ich in eine Besprechung gehe?“ oder „Warum gehen wir unterschiedlich an die Planung heran?“ Wählen Sie das offizielle Instrument, wenn Sie ausdrücklich ein MBTI-Ergebnis möchten. Eigenständige Verfahren wie der Testfy-Fragebogen mit seinen fünf Achsen bieten eigene typorientierte Zusammenfassungen.
- Nutzen Sie ein Big-Five-Profil, wenn Sie die Ausprägung einzelner Persönlichkeitsmerkmale betrachten möchten. Es eignet sich besser, um mehrere breite Tendenzen auf kontinuierlichen Skalen zu untersuchen, statt das Ergebnis auf ein einziges Typenetikett zu reduzieren.
- Nutzen Sie keines der beiden Verfahren zur Beurteilung einer klinischen Erkrankung oder als alleinige Grundlage für Personalentscheidungen, die Partner- oder Berufswahl. Dafür sind Informationen und Beurteilungsgrundlagen nötig, die über selbstberichtete Präferenzen hinausgehen.
Ein Code kann ein Gespräch anstoßen, während ein dimensionales Profil gemischte Tendenzen möglicherweise genauer beschreibt. Vergleichen Sie das Ergebnis in beiden Fällen mit wiederkehrendem Verhalten bei der Arbeit, in Freundschaften und in ungewohnten Situationen. Hilfreich ist eine klarere Beschreibung Ihrer Präferenzen und Entscheidungen, keine endgültige Identität, die Sie verteidigen müssen.

