Persönliche Arbeitswerte beschreiben, was Ihnen bei Ihrer Arbeit wichtig ist und was sie Ihnen bieten soll. Häufige Beispiele sind Autonomie, Lernen, Sicherheit, faire Vergütung, Sinn, Flexibilität, Anerkennung und unterstützende Führung. Es geht also um Ihre Erwartungen an eine Stelle, nicht um die Leitsätze eines Unternehmens oder darum, wie hart Sie arbeiten.
Die entscheidende Frage ist nicht nur, welche Werte gut klingen, sondern: Welche Bedingungen sind Ihnen am wichtigsten, wenn Sie nicht alles gleichzeitig haben können? Ein höheres Gehalt mag attraktiv sein. Planbare Arbeitszeiten könnten aber stärker ins Gewicht fallen, wenn Sie Kinder betreuen oder Angehörige pflegen.
20 häufige Arbeitswerte und wie sie sich zeigen
Diese Beispiele für Arbeitswerte helfen Ihnen, bisher eher vage Wünsche genauer zu benennen. Aus „Ich möchte eine bessere Stelle“ wird etwa: „Ich möchte mehr Entscheidungsspielraum und weniger kurzfristige Änderungen meiner Arbeitszeiten.“
| Arbeitswert | Wie er sich zeigen kann |
|---|---|
| Autonomie | Die Arbeitsweise innerhalb vereinbarter Ziele selbst wählen |
| Lernen | Fest eingeplante Zeit haben, um neue Fähigkeiten zu entwickeln |
| Fachliche Expertise | Das eigene Können durch anspruchsvolle Aufgaben vertiefen |
| Sinn | Arbeit leisten, die Sie persönlich als bedeutsam empfinden |
| Sicherheit | Ein stabiles Einkommen und klare Beschäftigungsbedingungen haben |
| Faire Vergütung | Eine Bezahlung erhalten, die der Verantwortung und der geleisteten Arbeit entspricht |
| Anerkennung | Konkrete Wertschätzung für die eigene Leistung erfahren |
| Aufstieg | Eine realistische Perspektive auf mehr Verantwortung haben |
| Einfluss | Entscheidungen mitgestalten, die die eigene Arbeit betreffen |
| Flexibilität | Anpassen können, wann oder wie Sie arbeiten |
| Planbare Arbeitszeiten | Die eigenen Arbeitszeiten ausreichend früh kennen |
| Work-Life-Balance | Die berufliche Belastung in einem langfristig tragbaren Rahmen halten |
| Zusammenarbeit | Probleme gemeinsam mit anderen lösen |
| Zugehörigkeit | Sich im Team einbezogen und respektiert fühlen |
| Kreativität | Neue Ansätze entwickeln und ausprobieren |
| Positive Wirkung | Erkennen, wie die eigene Arbeit anderen nützt |
| Unterstützende Führung | Klare Orientierung und praktische Unterstützung erhalten |
| Angenehme Arbeitsbedingungen | Geeignete Räume, passende Ausstattung und ein körperlich angenehmes Arbeitsumfeld haben |
| Abwechslung | Zwischen unterschiedlichen Aufgaben oder Herausforderungen wechseln |
| Standortunabhängigkeit | Nicht an einen festen Arbeitsort gebunden sein |
Ähnliche Werte können durchaus Unterschiedliches bedeuten. Flexibilität könnte heißen, dass Sie Ihren Arbeitsbeginn selbst wählen. Planbare Arbeitszeiten können dagegen bedeuten, jede Woche dieselbe feste Schicht zu haben. Ortsunabhängiges Arbeiten bietet nicht automatisch eines von beidem.
Intrinsische Werte beziehen sich auf das, was Sie an der Tätigkeit selbst als bereichernd erleben, etwa Lernen, fachliche Expertise oder einen sinnvollen Beitrag. Extrinsische Werte betreffen dagegen Aspekte wie Vergütung, Anerkennung, Aufstieg und Sicherheit. Beides kann derselben Person wichtig sein. Wer Freude an der eigenen Tätigkeit hat, darf trotzdem Wert auf faire Bezahlung legen. Und wer das Einkommen priorisiert, dem muss die Arbeit selbst nicht gleichgültig sein.
Arbeitswerte sind nicht dasselbe wie Unternehmenswerte oder Arbeitsethik
Persönliche Arbeitswerte beschreiben, was Ihnen Ihre Arbeit bieten soll. Andere Begriffe aus der Arbeitswelt beziehen sich auf die Grundsätze eines Unternehmens, Ihren Umgang mit Verantwortung oder Ihr tatsächliches Verhalten.
Arbeitswerte und verwandte Begriffe aus der Arbeitswelt
| Begriff | Was er beschreibt | Beispiel |
|---|---|---|
| Persönliche Arbeitswerte | Was Ihnen die Arbeit bieten soll | Autonomie |
| Unternehmenswerte | Die erklärten Grundsätze eines Unternehmens | Integrität |
| Arbeitsethik | Die Haltung zu Verantwortung und Einsatz | Verpflichtungen ernst nehmen |
| Arbeitsstil | Die bevorzugte Herangehensweise an Aufgaben | Detaillierte Planung |
| Arbeitsverhalten | Beobachtbare Handlungen bei der Arbeit | Vereinbarte Fristen zuverlässig einhalten |
Jemand kann Autonomie schätzen und dennoch einem detaillierten Plan folgen. Entscheidend ist, ob die Person diesen Plan selbst wählen kann, nicht ob sie Struktur ablehnt.
Ebenso sagt der Wunsch nach begrenzten Arbeitszeiten wenig über die Arbeitsethik aus. Eine Person kann innerhalb der vereinbarten Zeiten sorgfältig und zuverlässig arbeiten, ohne der Arbeit den größten Teil ihres Lebens widmen zu wollen.
Wenn Sie sich eher für Merkmale wie Organisationsfähigkeit oder Geselligkeit interessieren als für berufliche Prioritäten, können Sie diese mit dem Big-Five-Persönlichkeitstest anhand einer Selbsteinschätzung erkunden. Persönlichkeitsmerkmale und Arbeitswerte beantworten unterschiedliche Fragen. Keines von beidem bestimmt allein, welcher Beruf zu Ihnen passt.
Auch Unternehmenswerte müssen gesondert betrachtet werden. Ein Arbeitgeber kann „Respekt“ als Grundsatz nennen, während Führungskräfte Beschäftigte regelmäßig im Urlaub kontaktieren. Für Ihre Entscheidung zählt weniger der erklärte Grundsatz als die Frage, wie er im Arbeitsalltag gelebt wird.
Aufgaben wiederholt aufzuschieben ist ebenfalls etwas anderes, als Flexibilität oder Autonomie zu schätzen. Wenn Sie Aufgaben vermeiden, schwer ins Anfangen kommen oder eine Aufgabe als emotional belastend erleben, kann Ihnen der Prokrastinationstest helfen, solche Muster zu reflektieren. Sie sind kein unveränderlicher Teil Ihrer Identität.
Eine praktische Einteilung Ihrer Arbeitswerte
Fünf Bereiche, die sich teilweise überschneiden, können eine lange Liste übersichtlicher machen:
- Autonomie: Spielraum bei der Arbeitsweise, bei Entscheidungen, der Zeitplanung oder der Übernahme von Verantwortung. Vielleicht möchten Sie selbst entscheiden, wie Sie ein Kundenproblem lösen, und akzeptieren dabei ein klar vorgegebenes Budget.
- Fachliche Expertise: Lernen, Kompetenzentwicklung, vertieftes Fachwissen und anspruchsvolle Arbeit. Beruflicher Fortschritt könnte für Sie bedeuten, komplexere technische Probleme zu bearbeiten, statt ein größeres Team zu führen.
- Sinn: Einen bedeutsamen Beitrag leisten, etwa durch Dienstleistungen, handwerkliche Arbeit, die Übernahme von Verantwortung oder einen Nutzen für andere. Wichtige Geräte zu reparieren oder die eigene Familie zu unterstützen, kann Sinn vermitteln. Dafür müssen Sie nicht bei einer gemeinnützigen Organisation arbeiten.
- Sicherheit: Planbares Einkommen, Beständigkeit, klare Erwartungen und ein überschaubares Risiko. Wer Sicherheit schätzt, kann dennoch gezielt Weiterbildungen und Beförderungen in einer stabilen Organisation anstreben.
- Status und Vergütung: Bezahlung, Anerkennung, Einfluss, Beförderung und sichtbarer beruflicher Fortschritt. Hinter dem Wunsch nach einem höheren Titel kann das Bedürfnis nach mehr Entscheidungsbefugnis stehen, nicht Eitelkeit.
Dies sind Kategorien zur Selbstreflexion, keine fünf universellen Persönlichkeitstypen. Sie überschneiden sich: Eine Beförderung kann gleichzeitig Lernmöglichkeiten, Einfluss und finanzielle Sicherheit bieten.
Beziehungen, Flexibilität, Work-Life-Balance, Kreativität, körperliche Arbeitsbedingungen und Arbeitsort sollten Sie ebenfalls berücksichtigen, auch wenn sie sich keinem Bereich eindeutig zuordnen lassen. Für eine Fachkraft im Handwerk kann eine gut ausgestattete Werkstatt wichtiger sein als die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Eine andere Person benötigt vielleicht örtliche Flexibilität, um in der Nähe ihrer Familie bleiben zu können.
Die Kategorien sollen Ihnen helfen, Ihre Gedanken zu ordnen. Sie ersetzen nicht Ihre eigene Vorstellung davon, was eine passende Stelle ausmacht. Ein Persönlichkeitstest kann Ihnen ergänzend helfen, Vorlieben im sozialen Umgang und bei der Entscheidungsfindung zu beschreiben. Ein Persönlichkeitstyp bestimmt jedoch nicht, welche Arbeitsbedingungen Sie priorisieren sollten.
Was Ihre Entscheidungen zeigen, wenn wichtige Werte miteinander konkurrieren
Ihre Prioritäten werden klarer, wenn Sie überlegen, unter welchen Bedingungen Sie einen Kompromiss akzeptieren würden.
- Autonomie mit klaren Zielen: Wer ein Projekt leitet, möchte vielleicht die Arbeitsweise frei wählen, braucht aber dennoch eine eindeutige Frist, ein Budget und klare Erfolgskriterien. Orientierung zu den gewünschten Ergebnissen ist nicht dasselbe wie engmaschige Kontrolle.
- Sicherheit bei der Pflege von Angehörigen: Wer einen Angehörigen pflegt, stellt möglicherweise ein verlässliches Einkommen und planbare Arbeitszeiten über einen schnellen beruflichen Aufstieg. Wenn später mehr Unterstützung verfügbar ist oder sich die Verpflichtungen ändern, könnte eine weniger planbare Position mit größeren Lernmöglichkeiten infrage kommen.
- Weniger Status für mehr Flexibilität: Eine Person kann eine Position mit niedrigerem Titel akzeptieren, um mehr Kontrolle über ihre Arbeitszeiten zu haben und zugleich ihr Spezialwissen weiterzuentwickeln. Diese Entscheidung bedeutet nicht, dass es ihr an Ehrgeiz fehlt.
Eine Priorität zu erkennen und sie auszuhandeln sind zwei verschiedene Dinge. Vielleicht wissen Sie, dass Sie planbare Arbeitszeiten brauchen, haben aber Schwierigkeiten, dieses Bedürfnis gegenüber Ihrer Führungskraft anzusprechen.
Wenn Ihnen der Umgang mit Meinungsverschiedenheiten schwerfällt, kann Ihnen der Konfliktstil-Test helfen, Ihre Reaktionen zu reflektieren: Verfolgen Sie eher Ihre eigenen Ziele, geben Sie nach, ziehen Sie sich zurück oder suchen Sie nach einer gemeinsamen Lösung? Je nach Situation können diese Reaktionen mehr oder weniger hilfreich sein. Verletzendes Verhalten ist davon abzugrenzen: Es sollte angesprochen werden und ist keine gleichermaßen berechtigte Konfliktstrategie.
So bestimmen Sie Ihre drei bis fünf wichtigsten Prioritäten
Wählen Sie zunächst zehn Werte aus der Liste aus. Erinnern Sie sich dann an mehrere Entscheidungen aus der jüngeren Vergangenheit: eine Stelle, die Sie angenommen haben, eine Gelegenheit, die Sie abgelehnt haben, eine Bedingung, die Sie ausgehandelt haben, oder einen Kompromiss, den Sie bereut haben.
Fragen Sie sich, woran Sie bei jeder Entscheidung festgehalten und worauf Sie verzichtet haben. Eine Beförderung abzulehnen, weil die damit verbundenen Reisen nicht zu bewältigen waren, sagt mehr aus als die allgemeine Feststellung, dass Ihnen sowohl Aufstieg als auch Work-Life-Balance wichtig sind.
Selbstcheck: fünf Entscheidungen zwischen zwei Alternativen
Stellen Sie sich bei jedem Paar zwei ansonsten vergleichbare Stellen vor. Welche würden Sie unter Ihren aktuellen Umständen wählen, und was könnte Ihre Antwort verändern?
- Höheres Gehalt oder planbare Arbeitszeiten? Denken Sie an eine konkrete Bitte um Überstunden, eine Schichtänderung oder ein Stellenangebot.
- Eigenständige Verantwortung oder enge Begleitung? Überlegen Sie, ob Sie derzeit eher Entscheidungsspielraum oder die Unterstützung einer Person brauchen, die Sie bei Ihrer fachlichen Entwicklung begleitet.
- Fachliche Vertiefung oder Beförderung? Würden Sie sich dafür entscheiden, Ihr Fachwissen zu vertiefen oder umfassendere Verantwortung zu übernehmen, wenn beides nicht sofort möglich wäre?
- Stabilität oder Raum zum Experimentieren? Welche finanziellen und praktischen Risiken könnten Sie realistisch tragen?
- Persönliches Interesse oder sichtbarer gesellschaftlicher Beitrag? Wären interessante Aufgaben im Alltag wichtiger als ein übergeordnetes Ziel, das Sie unterstützen möchten, oder umgekehrt?
Dies sind Anregungen zur Selbstreflexion, kein Test mit Punktwertung und keine Diagnose. Reale Stellen können beide Seiten eines Paares bieten. Sich für diese Übung auf eine Seite festzulegen hilft Ihnen zu erkennen, was bei einem notwendigen Kompromiss stärker wiegt.
Reduzieren Sie Ihre Liste auf drei bis fünf aktuelle Prioritäten. Legen Sie für jede eine Mindestanforderung fest:
- Aus „Lernen“ wird „Jeden Monat fest eingeplante Zeit für meine fachliche Entwicklung“.
- Aus „Autonomie“ wird „Ich darf meine Arbeitsweise selbst wählen, sobald die Ziele vereinbart sind“.
- Aus „Planbare Arbeitszeiten“ wird „Meine Arbeitszeiten stehen mindestens sieben Tage im Voraus fest“.
Trennen Sie grundlegende Anforderungen von Wünschen, bei denen Sie zu Kompromissen bereit sind. Sichere Arbeitsbedingungen, Barrierefreiheit und ein Einkommen, das notwendige Ausgaben deckt, sollten nicht in den Hintergrund rücken, nur weil eine Stelle bei anderen Merkmalen gut abschneidet.
Wenn Sie Ihre Prioritäten nach dieser Übung strukturiert gegenüberstellen möchten, können Sie mit dem Arbeitswerte-Test von Testfy Ihre Vorstellungen von Autonomie, fachlicher Expertise, Sinn, Sicherheit sowie Status und Vergütung anhand einer Selbsteinschätzung erkunden. Dabei geht es nicht darum, einen möglichst hohen Gesamtwert zu erreichen. Der Test soll Ihnen helfen, Prioritäten zu klären, nicht einen Beruf für Sie auszuwählen.
Vergleichen Sie Stellen anhand Ihrer Prioritäten
Eine hilfreiche Vergleichsmatrix verbindet jede Priorität mit konkreten Hinweisen aus dem Arbeitsumfeld. Eine „unterstützende Kultur“ ist zunächst ein Eindruck. Regelmäßige Gespräche mit der Führungskraft und konkrete Beispiele für gelöste Probleme sind aussagekräftiger.
Bewerten Sie für jeden Wert anhand der verfügbaren Informationen, wie gut die Stelle ihm gerecht wird:
- 1: Eindeutige Hinweise darauf, dass die Stelle diesem Wert kaum gerecht wird.
- 2: Nur teilweise erfüllt oder mit erheblichen Einschränkungen verbunden.
- 3: Gemischtes Bild mit Vor- und Nachteilen.
- 4: Weitgehend erfüllt, mit einigen Einschränkungen.
- 5: Verlässlich erfüllt und durch konkrete Beispiele belegt.
Die Zahl beschreibt, wie gut die Stelle zu diesem Wert passt, nicht wie wichtig Ihnen der Wert ist. Fehlen Informationen, lassen Sie die Bewertung offen. Fehlende Angaben sind kein positives Zeichen.
Vorlage für die Vergleichsmatrix
Wiederholen Sie diesen Eintrag für jede Ihrer drei bis fünf Prioritäten:
- Priorität und Mindestanforderung:
- Bewertung für Stelle A, 1–5:
- Belege für Stelle A:
- Bewertung für Stelle B, 1–5:
- Belege für Stelle B:
- Offene Fragen:
Halten Sie je nach Priorität fest, welche Entscheidungsbefugnisse Sie hätten, welche Arbeitszeiten erwartet werden und welche Weiterbildungsbudgets, Beförderungskriterien oder Vertragsbedingungen gelten. Auch Vergütungsmodelle, Arbeitsbelastung und Regelungen zum ortsunabhängigen Arbeiten können wichtig sein.
Beispiel: zwei Stellen vergleichen
Angenommen, Ihre Prioritäten sind planbare Arbeitszeiten, Autonomie, Lernen und Vergütung.
| Priorität | Bewertung Stelle A | Bewertung Stelle B |
|---|---|---|
| Planbare Arbeitszeiten | 5 | 3 |
| Autonomie | 2 | 4 |
| Lernen | 3 | 5 |
| Vergütung | 4 | 2 |
| Gesamt | 14 | 14 |
Die Notizen machen sichtbar, was hinter den identischen Gesamtwerten steckt:
- Planbare Arbeitszeiten: Bei Stelle A werden die Dienstpläne drei Wochen im Voraus veröffentlicht. Änderungen erfordern die Zustimmung der Beschäftigten. Bei Stelle B erscheinen sie sieben Tage im Voraus, dürfen aber nachträglich geändert werden. Offene Frage: Wie häufig werden veröffentlichte Dienstpläne geändert, und mit welchem Vorlauf?
- Autonomie: Bei Stelle A müssen selbst routinemäßige Änderungen der Arbeitsweise genehmigt werden. Bei Stelle B können Beschäftigte ihre Arbeitsweise innerhalb vereinbarter Ziele selbst wählen. Fragen Sie, welche Entscheidungen weiterhin freigegeben werden müssen.
- Lernen: Stelle A finanziert Kurse, sieht aber keine fest reservierte Lernzeit vor. Stelle B bietet finanzielle Unterstützung, monatliche Lernzeit und Mentoring. Fragen Sie, wie häufig diese Zeit ausfällt.
- Vergütung: Stelle A bietet ein höheres garantiertes Gehalt. Stelle B bietet ein niedrigeres Grundgehalt und einen variablen Bonus. Prüfen Sie die Bonusbedingungen und Zusatzleistungen.
Beide Stellen erfüllen zunächst die Mindestanforderung, dass der Dienstplan sieben Tage im Voraus vorliegt. Ein Plan, der nach seiner Veröffentlichung wiederholt geändert wird, bietet aber möglicherweise nicht die Verlässlichkeit, die Sie brauchen. Die offene Frage ist wichtiger als die identischen Gesamtwerte.
Gute Bewertungen in anderen Bereichen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine unverzichtbare Bedingung nicht erfüllt ist. Ebenso wenig sollte die Gesamtpunktzahl verdecken, ob eine Stelle gerade dem Wert gerecht wird, der Ihnen aktuell am wichtigsten ist.
Fragen, die zeigen, ob eine Stelle zu Ihren Werten passt
Fragen Sie danach, wie die Arbeit tatsächlich organisiert ist, statt danach, ob ein Arbeitgeber etwas „wertschätzt“. Fast jede Organisation kann sich als unterstützend bezeichnen. Konkrete Beispiele zeigen, was damit gemeint ist.
Hilfreiche Fragen im Vorstellungsgespräch sind:
- Autonomie: „Wer entscheidet, wie die Arbeit ausgeführt wird, nachdem die Ziele vereinbart wurden?“
- Veränderte Prioritäten: „Wie wird kommuniziert, wenn sich Prioritäten ändern, und wer kann bei solchen Entscheidungen mitwirken?“
- Entwicklung: „Für welche Weiterbildungen oder anderen Entwicklungsmöglichkeiten stehen fest eingeplante Zeit oder finanzielle Mittel zur Verfügung?“
- Arbeitsbelastung: „Wie verändern sich Dienstpläne und Arbeitsbelastung üblicherweise in besonders arbeitsintensiven Phasen?“
- Aufstieg: „Nach welchen Kriterien wurde bei einer der letzten Beförderungen entschieden?“
- Vergütung: „Welche Bestandteile der Vergütung sind garantiert, und wie werden variable Zahlungen festgelegt?“
- Erreichbarkeit der Führungskraft: „Wie erhalten Beschäftigte Unterstützung, wenn sie nicht weiterkommen?“
- Zusammenarbeit: „Können Sie ein Problem aus der jüngeren Vergangenheit beschreiben, das das Team gemeinsam gelöst hat?“
- Stabilität: „Ist die Stelle auf Dauer angelegt oder an einen bestimmten Auftrag beziehungsweise ein Projekt gebunden?“
- Flexibilität: „Welche Regelungen gelten verbindlich, und welche hängen von der Zustimmung der Führungskraft ab?“
- Einfluss: „Können Sie ein aktuelles Beispiel nennen, bei dem Rückmeldungen von Beschäftigten eine Entscheidung verändert haben?“
Zeigen Sie dabei, wie Ihre Prioritäten mit Ihrem Beitrag zur Arbeit zusammenhängen: „Ich arbeite gut, wenn die Ziele klar sind und ich bei der Umsetzung Entscheidungsspielraum habe. Wie wird das in diesem Team gehandhabt?“
Diese Formulierung eröffnet ein Gespräch, statt uneingeschränkte Freiheit zu fordern. Wenn es Ihnen schwerfällt, ein Bedürfnis zu äußern, können Sie mit dem Assertivitäts-Test reflektieren, wie Sie Bitten formulieren, ablehnen, Ihre Meinung vertreten und ein Nein annehmen. Dabei geht es darum, wie Sie eine Priorität kommunizieren, nicht darum, ob der Arbeitgeber sie erfüllen kann.
Eine Regelung kann den üblichen Arbeitsalltag zutreffend beschreiben, aber wenig über Spitzenzeiten aussagen. Bitten Sie um aktuelle Beispiele. Vergleichen Sie nach Möglichkeit die Aussagen von Führungskräften und potenziellen Kolleginnen und Kollegen mit den schriftlichen Regelungen.
Arbeitswerte können sich verändern, und ein Profil hat Grenzen
Ihre Rangfolge kann sich mit Ihrer beruflichen Phase, Ihrer finanziellen Situation, Betreuungs- oder Pflegeaufgaben, Ihrer Gesundheit, Ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz und den verfügbaren Möglichkeiten verändern. Zu Beginn in einem Berufsfeld enge Begleitung zu wünschen und mit zunehmender Erfahrung mehr Autonomie zu suchen, ist kein Widerspruch.
Auch Selbsteinschätzungen haben Grenzen. Vielleicht antworten Sie so, wie Sie gern wären, lassen Ihre Prioritäten zu stark von einer einzelnen schwierigen Stelle prägen, verstehen allgemeine Begriffe anders oder stufen fast alles als unverzichtbar ein. Nach Erfahrungen mit übermäßiger Kontrolle kann Autonomie beispielsweise besonders wichtig erscheinen, obwohl Sie weiterhin von regelmäßiger Orientierung profitieren.
Wenn sich jeder Kompromiss so anfühlt, als würden Sie den falschen Beruf wählen, lohnt sich ein Blick auf Ihre Ansprüche: Sind sie mit Angst vor Fehlern oder Alles-oder-nichts-Denken verbunden? Mit dem Perfektionismus-Test können Sie ehrgeizige Ansprüche und Sorgen um Fehler oder die Bewertung durch andere reflektieren. Solche Sorgen können dazu beitragen, dass eine unvollkommene, aber praktikable Möglichkeit inakzeptabel erscheint.
Vergleichen Sie Ihre genannten Prioritäten mit mehreren Entscheidungen aus der jüngeren Vergangenheit und berücksichtigen Sie dabei, welche Möglichkeiten Sie tatsächlich hatten. Schwierige Arbeitszeiten zu akzeptieren, weil Sie das Einkommen brauchten, beweist nicht, dass Ihnen Work-Life-Balance unwichtig ist. Entscheidungen spiegeln sowohl äußere Einschränkungen als auch persönliche Vorlieben wider.
Gehen Sie Ihre Prioritäten erneut durch, wenn sich Ihre Umstände verändern. Ein Arbeitswerteprofil kann die Selbstreflexion und den Vergleich von Stellen unterstützen. Es garantiert jedoch weder Zufriedenheit, Leistung, Wohlbefinden oder beruflichen Erfolg noch, dass Sie langfristig bei einem Unternehmen bleiben oder ein Arbeitgeber zu Ihnen passt. Nehmen Sie eine Stelle nicht allein aufgrund eines Fragebogenergebnisses an und kündigen Sie auch nicht allein deshalb.
Das praktische Ziel ist eine klarere Entscheidung: zu wissen, was Sie brauchen, wo Sie zu Kompromissen bereit sind und welche offenen Fragen Ihre Wahl noch verändern könnten.

